Kegelklub Düren

Weihnachtstreffen 2012 in Brühl

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Kegelklub Silvestertorte

Vor ein paar Wochen wurden wir als Kegelklub Düren von @Wirkungstreffer und @sconductor angesprochen, ob wir nicht Lust auf eine Kegelklub-Weihnachtsfeier hätten. Die beiden organisierten eine Vortragende zum Thema Gender Theory und die Räumlichkeiten, wir bemühten uns, das Treffen bekannt zu machen.

Am 20. Dezember  versammelten sich ca. 25 Interessierte in Brühl. Neben spannenden  Gesprächen, Vernetzung und Austausch stand der Vortrag von Prof. Dr. Sabine Sielke von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn im Mittelpunkt. Frau Sielke gab uns einen kurzen Rückblick auf Women’s Studies und Entstehung der Gender Theory. Wir möchten an dieser Stelle keine Zusammenfassung des Vortrags liefern, sondern einzelne Punkte beleuchten.

Die englischen Begriffe „sex“ und „gender“ werden im Deutschen beide mit „Geschlecht“ übersetzt, obwohl sie nicht die gleiche Bedeutung haben. Aus diesem Grund wird im Deutschen zusätzlich der Begriff „Gender“ verwendet.
Sex bezeichnet das biologische Geschlecht. Gender hingegen ist ein kulturelles Gebilde aus Normen/Vorstellungen einer Gesellschaft. Gender wird auch das sozial konstruierte Geschlecht genannt.

Bei der Beschäftigung mit Feminismus ist wichtig zu verstehen, dass politische Bewegungen immer fließende Prozesse sind und keinen Status Quo bezeichnen. Folglich ist eine Bewegung niemals an „ihrem Ziel“ angekommen, sondern muss bei jeder neuen politischen Entscheidung auf die Umsetzung ihrer Ideale achten. Insbesondere der Feminismus  leidet unter einer ständigen „Amnesie“ der Gesellschaft und unterliegt sozioökonomischen Schwankungen. Feministische Werte müssen regelmäßig von Grund auf neu erklärt werden und stoßen auf immer gleiche Abneigungen, obwohl die Gegenargumente häufig schon seit Jahrzehnten wissenschaftlich widerlegt sind.

Viele Menschen fehlt ein generelles Problembewusstsein für die Ziele des Feminismus. Oftmals wachsen Menschen in ihren eigenen Filterbubbles auf oder haben aufgrund ihres Geschlechts oder Charakters nicht mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Sie leiten daraus ab, dass diese Probleme nicht existieren oder von einer kleinen Minderheit übertrieben dargestellt werden. Gerne wird auch auf eine einzelne Frau verwiesen, die diese Probleme nicht habe, „obwohl sie ja auch eine Frau ist“ (interessanter Blogeintrag dazu von KhaosKobold).

Der Feminismus beinhaltet viele Strömungen, die aufeinander aufbauen oder sich widersprechen können. In den meisten Definitionen wird die Gleichstellung von Mann und Frau als zentrales Ziel genannt. Heutzutage ist meistens die Rede von Postfeminismus und dekonstruktivistischem Feminismus. Die Binarität der Geschlechter wird generell in Frage gestellt, somit setzen diese Feminist_innen sich in der Regel für die Gleichstellung aller Geschlechter ein. Genaueres hierzu ist in unserem Glossar zu finden.

Viele Menschen denken, Feminismus sei nicht mehr notwendig, da Frauen und Männer laut Grundgesetz gleichberechtigt sind. Die im Grundgesetz verankerte  Gleichberechtigung sagt aber nur aus, dass beide Geschlechter vor dem Gesetz  die gleichen Rechte haben. Leider haben deswegen trotzdem nicht alle Geschlechter die gleichen Chancen und die gleiche gesellschaftliche  Anerkennung. Zudem hat der Staat sich verpflichtet, aktiv die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung  von Frauen und Männern zu fördern und bestehende Nachteile zu beseitigen (Art.3(2) GG). Dies sind die Ziele der Gleichstellung der Geschlechter.

Bei der Erklärung von Geschlechterunterschieden wird alternativ gerne der naturwissenschaftliche Determinismus bemüht. Nicht genauer benannte Gene oder Hormone dienen als Argumentationsmodell für biologische Geschlechterunterschiede, während der kulturelle Gendereinfluss bestritten wird. Hierbei ist keinesfalls (für beide Seiten) belegt, welchen Einfluss welche biologischen Faktoren auf den Menschen haben. Weiterhin sind auch Biologie und Medizin selbst keine objektiven Wahrheiten, sondern im hohen Maße kulturell und historisch bedingt. Das Verständnis der biologischen Geschlechter unterliegt wie alle Kulturbegriffe einem stetigen wissenschaftlichen Prozess (beispielsweise die teils konkurierenden Geschlechtermodelle in Antike, Mittelalter und früher Neuzeit).

Der Vortrag zeigte, dass die Gender Studies ein komplexes Gebiet sind, welches sich Außenstehenden häufig nicht sofort erschließt. Sie haben Schnittpunkte mit vielen anderen Themengebieten und betrachten die Grundfragen nach biologischen oder kulturellen Einflüssen ergebnisoffen. Das Treffen verdeutlichte uns, dass immer noch viele Missverständnisse und teilweise Definitionsunstimmigkeiten existieren, die eine sachliche Debatte über Genderpolitik unnötig belasten. Aus diesem Grunde haben wir uns vorgenommen, auch in Zukunft solche Vortragsabende zu gestalten.

Abschließend möchten wir uns noch einmal bei @Wirkungstreffer und @Sconductor für die organisatorische Unterstützung und insbesondere bei Prof. Dr. Sabine Sielke für den interessanten Vortrag bedanken.

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Written by Kegelklub Düren

10. Januar 2013 um 11:36

Veröffentlicht in Feminismus, Kegelklub, Veranstaltung

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