Kegelklub Düren

Aktiv gegen Sexismus – nicht nur im Netz

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Am Sonntag flatterten diverse Tweets durch meine Timeline, die auf ein aktuelles Interview mit Bundespräsident Gauck verwiesen, das er dem SPIEGEL gegeben hatte. In diesem Interview tat Gauck die aktuelle Sexismus-Debatte als „Tugendfuror“ ab. Die Thematisierung eines strukturellen Problems wurde von ihm wieder auf den Einzelfall Brüderle reduziert; von Fragen der Geschlechtergerechtigkeit distanzierte er sich, indem er sie als „Frauenfrage“ bezeichnete. “Eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen”, war Gaucks Kernaussage im Bezug auf die Debatte.

Mich, die ich schon bei #aufschrei von Anfang an dabei war, machten diese Aussagen wütend und traurig. Dass ein privilegierter Mann wie Gauck die Erfahrung tausender betroffener Frauen öffentlich als übertrieben beschreibt, ist symptomatisch für die Debatte. Diejenigen, die gesellschaftliche Missstände benennen, tun dies mit gutem Recht und sind nicht das Problem selbst. Gauck wünscht sich Engagement und zerredet im gleichen Atemzug eine Bewegung, die sich direkt vor seinen Augen formiert.

Mit meinem Entsetzen über das Interview war ich nicht alleine. Auf meinen Tweet hin, dass ich Gauck gerne einen offenen Brief schreiben würde, meldeten sich sogleich ein paar Mitstreiterinnen. Den ganzen Sonntag verbrachten wir mit dem Verfassen des Briefs und einer dazugehörigen Pressemitteilung. Wir legten uns einen Ablaufplan zurecht und stellten dem Bundespräsidenten eine Auswahl exemplarischer Geschichten von Twitter und alltagssexismus.de zusammen.

Am Montag übergab eine Mitverfasserin den Brief persönlich an der Pforte des Bundespräsidialamtes und zur Sicherheit schickten wir ihn auch noch einmal per E-Mail an die Pressestelle des Präsidenten. Wir wollten ihm die Gelegenheit geben, zu reagieren und seine Aussagen richtig zu stellen. Deswegen schickten wir die PM und den Brief erst einen Tag später an die Presse. Mittwochs um 11 Uhr sollte der Brief auf http://alltagssexismus.de/gauck online gehen, damit auch Andere ihn unterzeichnen könnten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es eine Sperrfrist für die Presse.

Bereits am Dienstag rief mich die erste Journalistin an und wollte ein paar Statements von mir hören. Zumindest würde unsere Aktion nicht ganz unbemerkt versanden, war unsere Hoffnung. Kurz vor Ablauf der Frist gab es dann die zweite Nachfrage der Presse. Um es kurz zu machen: Schon 36 Stunden nach Veröffentlichung des Briefs konnten wir die 2000. Unterstützungsunterschrift freischalten. Fast 30 Zeitungsartikel sowie Radiobeiträge, Blogposts und Fernsehinterviews sind entstanden und es gibt schon weitere Anfragen. Den Brief gibt es mittlerweile auch auf Englisch zu lesen – die Übersetzung wurde von ein paar Twitter_innen in einem Pad organisiert.

Viele Tweets und Kommentare unter dem Brief machen die Bedeutung der Debatte deutlich. Die Unterschriften zeigen, dass zahlreiche Menschen – darunter ungeheuer viele Männer – nicht einverstanden sind mit der Art und Weise, in der Gauck sich zu Sexismus geäußert hat. Themen wie Sexismus und sexualisierte Gewalt können nicht mehr so einfach unsichtbar gemacht werden. Machtstrukturen, die sexuelle Übergriffe und Sexismus begünstigen, müssen brüchig werden. Die Studie “Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen” im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zeigt, dass 58 Prozent aller befragten Frauen bereits Situationen sexueller Belästigung erlebt haben.

Auch wer sich bisher nicht mit feministischen Themen beschäftigt hat, kann den heutigen 102. Internationalen Frauentag vielleicht als Ausgangspunkt nehmen, sich näher mit dieser Thematik zu beschäftigen. Als Piratenpartei wollen wir, dass alle Menschen sich frei bewegen und äußern können. #Aufschrei war der Stein des Anstoßes dafür, dass vor allem Frauen nun das vielfach lebenslange Schweigen gebrochen haben und den Mut fanden, über ihre erniedrigenden und traumatischen Erfahrungen zu sprechen.

Die Piratenpartei setzt sich weltweit für Menschenrechte ein – und Frauenrechte sind Menschenrechte. Uns muss es ein Anliegen sein, dass die geschilderten Erlebnisse nicht relativiert, bagatellisiert (und) oder abschätzig betrachtet werden. Als von einer Ungerechtigkeit nicht betroffene Person behauptet es sich immer leicht, dass ein Problem nicht existiert, aber das zeugt dann eben auch von einer sehr beschränkten Sicht auf die Welt. Statt die Debatte und die damit verbundenen Geschichten in dieser Weise abzuschmettern, wäre es besser, den Betroffenen zuzuhören, dafür Räume zu schaffen und sich solidarisch zu zeigen – online wie offline.

Anmerkung:
[1] Das vollständige Interview mit Joachim Gauck gibt es nur als E-Paper und in der gedruckten Ausgabe, Auszüge finden sich aber hier: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sexismus-debatte-gauck-beklagt-tugendfuror-im-fall-bruederle-a-886578.html

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Written by FP

8. März 2013 at 14:49

Veröffentlicht in Feminismus, Gewalt, Piraten

Gendereinflüsse in Videospielen – The Elder Scrolls Morrowind

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Morrowind Titelbild
Einleitung
Die Elder Scrolls Reihe gehört vermutlich zu den erfolgreichsten Rollenspielreihen im Videospielemarkt des letzten Jahrzehnts. Neben einigen Ablegern sind insbesondere die fünf Hauptspiele Arena (1994), Daggerfall (1996), Morrowind (2002), Oblivion (2006) und schließlich Skyrim (2011) bekannt.

Karte der Provinz Morrowind

Die Provinz Morrowind im Detail. Dutzende Städte und über 1700 Personen warten auf die Spielerin.

Morrowind war das erste Spiel der Reihe, welches nicht ausgiebigen Gebrauch von einer zufallsbasierten (prozedualen) Spielwelt machte. Das bedeutet, dass es erstmals eine in sich geschlossene Welt gab, in der die meisten Orte, Figuren und Gegenstände nicht erwürfelt, sondern von Menschen erdacht und komponiert wurden. Dies führt dazu, dass Morrowind aus genderanalytischer Sicht das erste interessante Spiel des Franchise ist.

Morrowind ist ein Open-Word Rollenspiel. Im Gegensatz zu strikt erzählgesteuerten Spielen gibt es keine feste Geschichte, die durchlebt wird. Stattdessen gleicht das Programm einem Sandkasten. Die Spielerin steuert mit ihren Entscheidungen nicht nur den Verlauf der Handlung, sondern kann sich eine eigene Geschichte zusammenbasteln. Hierzu steht eine komplette Gesellschaft mit zahlreichen Städten und über 1700 Figuren zur Verfügung. Die Spielfigur kann sich unterschiedlichen politischen Strömungen, Religionen und Interessensgruppen anschließen und die Welt in ihrem Sinne ändern.

All diese Dinge machen Morrowind zu einem attraktiven Studienobjekt, da selbst soziologische Komponenten allumfassend analysiert werden können, die bei linearen Spielen höchstens anhand von einzelnen Geschehnissen auf die Gesamtgesellschaft extrapoliert werden können.

Funktionale Darstellung von Geschlechterunterschieden
Wie in den meisten Rollenspielen beginnt die Spielerin mit der Charaktergenerierung ihrer Figur. Hier werden anhand von vorgegebenen Attributen wie Geschlecht und Herkunft die späteren Fähigkeiten der Figur ermittelt. In der Elder Scrolls Reihe gibt es die klassischen Elfen und Zwerge (ausgestorben), aber auch Eigenentwicklungen wie Reptilien oder Katzenwesen.

Die Elder Scrolls Reihe kennt nur die klassische Einteilung der Geschlechter in „männlich“ und „weiblich“, die für alle Völker durchgezogen wird. Die Unterschiede der Geschlechter variieren je nach Herkunft. Sie haben Auswirkungen auf physische und psychische Grundattribute der Figur.

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Unterschiede der Geschlechter. Hierbei wird für jedes Volk jeweils der relative Unterschied einer weiblichen Person zu einer männlichen Person des gleichen Volkes dargestellt.

Liste der Attributabweichungen über alle Völker

Liste der Attributabweichungen aus Sicht von Frauen

Unterschiede in den Attributwerten

Relative Unterschiede der Attribute für weibliche Charaktere

Es entsteht zunächst der Eindruck, dass Frauen in jedem Volk grundsätzlich bessere Attribute erhielten, da die Summe der Prozentwerte immer positiv ist. Ein Vergleich der absoluten Werte zeigt aber, dass der absolute Unterschied für jedes Volk bei Null liegt. Demnach sind Männer und Frauen für jedes Volk einzeln betrachtet gleichwertig, zeigen jedoch in unterschiedlichen Bereichen Vor- und Nachteile. Die Bereiche sind insgesamt sehr gemischt. Einzig in der Stärke sind Männer grundsätzlich nie benachteiligt, während Frauen bei der Intelligenz grundsätzlich nie benachteiligt sind.

Volksübergreifend ergibt sich bei einem Geschlechtervergleich ein Ergebnis, welches für Videospiele typisch ist: Männer erhalten im Durchschnitt höhere Werte in physischen Attributen, während Frauen höhere Werte in psychisch/sozialen Merkmalen zugesprochen werden. Allerdings sind diese Unterschiede im Vergleich zu anderen Rollenspielen relativ gesehen vernachlässigbar.

Zusätzlich zu diesen Grundattributen gibt es in Morrowind noch zahlreiche spezielle Fähigkeiten wie Bogenschießen, Schleichen oder Alchemie. In all diesen Fähigkeiten werden keine direkten Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht, stattdessen werden sie indirekt aus den Grundwerten abgeleitet. So basiert beispielsweise Bogenschießen auf dem Grundattribut Geschicklichkeit. Folglich haben Männer in allen Fähigkeiten einen leichten Vorteil, in denen die Attribute Stärke, Ausdauer und Geschicklichkeit genutzt werden.

Visuelle Darstellung von Geschlechterunterschieden

Die Kleidung der Geschlechter im Vergleich - Tempelroben

Geschlechtsneutrale Kleidung für Priesterinnen des Tribunal Tempels

Die visuellen Darstellungsmöglichkeiten in Morrowind sind aufgrund des Alters und der damals noch in den Kinderschuhen steckenden 3D-Beschleunigung begrenzt. Nichtsdestotrotz grenzt sich die Geschlechterdarstellung klar von älteren Extrembeispielen wie Tomb Raider ab. Offensichtliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es in den Frisuren und den Gesichtergrafiken. Die visuellen Proportionen der Körper sind für ein Geschlecht immer gleich und weichen innerhalb eines Geschlechts nicht voneinander ab.

Tatsächlich ist es in den meisten Situationen schwierig, das Geschlecht der Gesprächspartnerin festzustellen – nur die Stimmen sind hier eindeutig. Abgesehen von der immer vorhandenen Unterwäsche (keine Nacktheit im Spiel) ist die meiste Kleidung geschlechtsneutral und kann von beiden Geschlechtern getragen werden. Die Ausnahmen liegen in leichten Unterschieden bei der Oberbekleidung, die jedoch nicht zu mehr Nacktheit führen. So ist es bei Figuren mit Rüstung und Helm beinahe unmöglich, das Geschlecht festzustellen.

Geschlechtsspezifische soziale Interaktionen in der Spielwelt
Auf individueller Basis gibt es so gut wie keine sozialen Auswirkungen des Geschlechts auf das Spielerlebnis. Spielfiguren behandeln beide Geschlechter identisch. Texte werden höchstens grammatikalisch angepasst. Es werden innerhalb des Spiels keine gesellschaftlichen Grenzen für das Geschlecht der Spielfigur gesetzt. In allen Gruppierungen sind alle Ränge für beide Geschlechter erreichbar. Es gibt keinerlei sexistischen oder sexuell geprägten Kommentare bezüglich einzelner Geschlechter. Romantische Beziehungen sind in Morrowind im Gegensatz zu späteren Teilen ohne Modifikationen nicht möglich.

Strukturelle Machtunterschiede in der Spielwelt
Die Provinz Morrowind ist eine Männerwelt. Dies spiegelt sich bereits in der allgemeinen Geschlechterquote wider. So sind innerhalb der Provinz nur zirka 40% (700) der Personen weiblich. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn mensch sich die Zusammensetzung der einzelnen Machtzentren im Spiel anschaut.

Frauenanteil in den Spielgruppierungen

Frauenanteil in den einzelnen Machtzentren

Die einzigen Gruppierungen, in denen Frauen die Mehrheit der Mitglieder stellen, sind die Magiergilde und der Tribunal Tempel. Beides sind Institutionen, in denen Magie eine große Rolle spielt. In der Führungsebene der Gruppierungen sind meist noch weniger Frauen tätig. Nur im Kaiserlichen Kult (Religion/Magie) gibt es eine Mehrheit an Frauen in Führungspositionen.

Die Elder Scrolls Reihe besticht durch eine sehr dichte Hintergrundgeschichte und sehr detailliert beschriebene Religionen und politische Zirkel. So verehrt der heimische Tribunal Tempel drei politische Figuren, von denen eine weiblich ist. Während ihre männlichen Partner als starker Krieger bzw. als intelligenter Zauberer charakterisiert werden, übernimmt die Frau die Rolle der leidenschaftlichen Kaiserin, die sich um ihre Untertanen sorgt. Gleiches gilt für die Religion der kaiserlichen Besetzer. Sie besteht aus neun Gottheiten, von denen drei weiblich sind. Die weiblichen Göttinnen stehen für Schönheit, Liebe und Natur, während ihre männlichen Götter die Bandbreite von Stärke, Intelligenz und Macht abdecken. Hier wird eine sehr traditionelle Genderaufteilung der Geschlechter deutlich.

Sichtbarkeit der Geschlechter in der Haupthandlung
Im Gegensatz zu anderen Spielen nimmt die Haupthandlung in Morrowind eine eher geringe Rolle ein. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, bestimmt die Spielerin die erlebte Geschichte zu einem großen Teil selbst. Betrachtet man hierbei die Statistiken zum Frauenanteil im letzten Abschnitt, wird deutlich, dass bei einer zufälligen Stichprobe mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Spielerlebnis gewählt wird, in der unterdurchschnittlich viele Frauen eine tragende Rolle einnehmen.

Die optional vorhandene Haupthandlung besteht wie in vielen anderen Spielen fast ausschließlich aus Männern. Es gibt einige klassische Frauenrollen wie die mystische alte Frau oder die gebildete Priesterin, aber der Kern der Handlung dreht sich um Konflikte in einer männerdominierten Welt. Dies beginnt bereits im Intro, in dem die Spielerin von einem Gefangenenschiff geführt wird. Sämtliche Beamte und Stadtwachen sind hier männlich. Die Spielerin erhält den Auftrag den ebenso männlichen Meisterspion aufzusuchen, um am Ende durch die Hilfe eines männlichen Gottes gegen einen männlichen Antagonisten zu kämpfen.

Fazit
Aus genderanalytischer Sicht ist Morrowind in sich recht widersprüchlich.

Auf der einen Seite wird der Spielerin im subjektiven Spielerlebnis suggeriert, dass das Geschlecht keinerlei Einfluss auf die gesellschaftliche Stellung hat, denn theoretisch ist es für beide Geschlechter möglich, in allen Gruppierungen alle Machtpositionen zu erreichen. Auf der anderen Seite spricht die gesellschaftliche Statistik eine deutlich andere Sprache. Abgesehen von der generellen Unsichtbarkeit von Frauen, die sich in einem reduzierten Frauenanteil von 40% manifestiert, zeigen Untersuchungen der einzelnen politischen Gruppierungen, dass Frauen weit unterrepräsentiert sind. Insbesondere in der Führungsebene gibt es eine starke Diskrepanz der Geschlechter. Besonders als Göttinnen und Heilige nehmen Frauen überwiegend die Rolle der fürsorglichen Mutterfigur ein. In der Haupthandlung kommen sie nur als passive Ratgeberinnen vor.

Morrowind ist damit in Grenzen ein Spiegel der Realität. Während Frauen auf individueller Ebene versprochen wird, dass sie alle Rechte und Möglichkeiten in der Gesellschaft haben, ist die Gesellschaft statistisch klar männerdominiert. Je höher die Machtebene, desto weniger Frauen sind im Allgemeinen an der Gesellschaftsbildung beteiligt.

Morrowind unterscheidet sich von der Realität in der Hinsicht, dass Geschlechter im Spiel keine eigene Geschlechtsidentität besitzen. Es werden keinerlei geschlechtsspezifische Rollenbilder formuliert oder angedeutet. Es gibt überall rassistische Spannungen, doch Spannungen zwischen den Geschlechtern sind nicht erkennbar. Es gibt keinerlei Hinweise, dass Personen diskriminiert werden, weil sie sich nicht an ein geschlechtliches Rollenbild anpassen. Dies steht in direktem Widerspruch zum offensichtlich vorhandenen strukturellen Ungleichgewicht der Geschlechter. Wenn eine Gesellschaft auf individueller Ebene keinerlei Unterscheidungen zwischen den Geschlechtern macht und nach Historie nie gemacht hat, muss mensch sich fragen, woher die strukturellen Unterschiede in der Gesellschaft stammen, die sich selbst verstärkend über Jahrhunderte gehalten haben.

Sonnenuntergang in Morrowind

Diese Analyse war der erste Teil einer größer angelegten Reihe, in der Videospiele auf ihren Umgang mit Geschlechtern und entsprechenden Rollenerwartungen untersucht werden. Weitere Analysen werden in den nächsten Monaten folgen. Das Ziel der Untersuchungen ist eine zeitliche und wertende Einordnung der Spiele in einen Gesamtkontext. Anhand dieser Einordnung soll betrachtet werden, ob sich die Geschlechterdarstellung im Kulturgut der Videospiele im Laufe der Jahrzehnte geändert hat und in welche Richtung sie sich entwickelt.

Quellen

Written by mandelbroetchen

10. Februar 2013 at 18:35

Veröffentlicht in Kultur

Weihnachtstreffen 2012 in Brühl

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Kegelklub Silvestertorte

Vor ein paar Wochen wurden wir als Kegelklub Düren von @Wirkungstreffer und @sconductor angesprochen, ob wir nicht Lust auf eine Kegelklub-Weihnachtsfeier hätten. Die beiden organisierten eine Vortragende zum Thema Gender Theory und die Räumlichkeiten, wir bemühten uns, das Treffen bekannt zu machen.

Am 20. Dezember  versammelten sich ca. 25 Interessierte in Brühl. Neben spannenden  Gesprächen, Vernetzung und Austausch stand der Vortrag von Prof. Dr. Sabine Sielke von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn im Mittelpunkt. Frau Sielke gab uns einen kurzen Rückblick auf Women’s Studies und Entstehung der Gender Theory. Wir möchten an dieser Stelle keine Zusammenfassung des Vortrags liefern, sondern einzelne Punkte beleuchten.

Die englischen Begriffe „sex“ und „gender“ werden im Deutschen beide mit „Geschlecht“ übersetzt, obwohl sie nicht die gleiche Bedeutung haben. Aus diesem Grund wird im Deutschen zusätzlich der Begriff „Gender“ verwendet.
Sex bezeichnet das biologische Geschlecht. Gender hingegen ist ein kulturelles Gebilde aus Normen/Vorstellungen einer Gesellschaft. Gender wird auch das sozial konstruierte Geschlecht genannt.

Bei der Beschäftigung mit Feminismus ist wichtig zu verstehen, dass politische Bewegungen immer fließende Prozesse sind und keinen Status Quo bezeichnen. Folglich ist eine Bewegung niemals an „ihrem Ziel“ angekommen, sondern muss bei jeder neuen politischen Entscheidung auf die Umsetzung ihrer Ideale achten. Insbesondere der Feminismus  leidet unter einer ständigen „Amnesie“ der Gesellschaft und unterliegt sozioökonomischen Schwankungen. Feministische Werte müssen regelmäßig von Grund auf neu erklärt werden und stoßen auf immer gleiche Abneigungen, obwohl die Gegenargumente häufig schon seit Jahrzehnten wissenschaftlich widerlegt sind.

Viele Menschen fehlt ein generelles Problembewusstsein für die Ziele des Feminismus. Oftmals wachsen Menschen in ihren eigenen Filterbubbles auf oder haben aufgrund ihres Geschlechts oder Charakters nicht mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Sie leiten daraus ab, dass diese Probleme nicht existieren oder von einer kleinen Minderheit übertrieben dargestellt werden. Gerne wird auch auf eine einzelne Frau verwiesen, die diese Probleme nicht habe, „obwohl sie ja auch eine Frau ist“ (interessanter Blogeintrag dazu von KhaosKobold).

Der Feminismus beinhaltet viele Strömungen, die aufeinander aufbauen oder sich widersprechen können. In den meisten Definitionen wird die Gleichstellung von Mann und Frau als zentrales Ziel genannt. Heutzutage ist meistens die Rede von Postfeminismus und dekonstruktivistischem Feminismus. Die Binarität der Geschlechter wird generell in Frage gestellt, somit setzen diese Feminist_innen sich in der Regel für die Gleichstellung aller Geschlechter ein. Genaueres hierzu ist in unserem Glossar zu finden.

Viele Menschen denken, Feminismus sei nicht mehr notwendig, da Frauen und Männer laut Grundgesetz gleichberechtigt sind. Die im Grundgesetz verankerte  Gleichberechtigung sagt aber nur aus, dass beide Geschlechter vor dem Gesetz  die gleichen Rechte haben. Leider haben deswegen trotzdem nicht alle Geschlechter die gleichen Chancen und die gleiche gesellschaftliche  Anerkennung. Zudem hat der Staat sich verpflichtet, aktiv die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung  von Frauen und Männern zu fördern und bestehende Nachteile zu beseitigen (Art.3(2) GG). Dies sind die Ziele der Gleichstellung der Geschlechter.

Bei der Erklärung von Geschlechterunterschieden wird alternativ gerne der naturwissenschaftliche Determinismus bemüht. Nicht genauer benannte Gene oder Hormone dienen als Argumentationsmodell für biologische Geschlechterunterschiede, während der kulturelle Gendereinfluss bestritten wird. Hierbei ist keinesfalls (für beide Seiten) belegt, welchen Einfluss welche biologischen Faktoren auf den Menschen haben. Weiterhin sind auch Biologie und Medizin selbst keine objektiven Wahrheiten, sondern im hohen Maße kulturell und historisch bedingt. Das Verständnis der biologischen Geschlechter unterliegt wie alle Kulturbegriffe einem stetigen wissenschaftlichen Prozess (beispielsweise die teils konkurierenden Geschlechtermodelle in Antike, Mittelalter und früher Neuzeit).

Der Vortrag zeigte, dass die Gender Studies ein komplexes Gebiet sind, welches sich Außenstehenden häufig nicht sofort erschließt. Sie haben Schnittpunkte mit vielen anderen Themengebieten und betrachten die Grundfragen nach biologischen oder kulturellen Einflüssen ergebnisoffen. Das Treffen verdeutlichte uns, dass immer noch viele Missverständnisse und teilweise Definitionsunstimmigkeiten existieren, die eine sachliche Debatte über Genderpolitik unnötig belasten. Aus diesem Grunde haben wir uns vorgenommen, auch in Zukunft solche Vortragsabende zu gestalten.

Abschließend möchten wir uns noch einmal bei @Wirkungstreffer und @Sconductor für die organisatorische Unterstützung und insbesondere bei Prof. Dr. Sabine Sielke für den interessanten Vortrag bedanken.

Written by Kegelklub Düren

10. Januar 2013 at 11:36

Veröffentlicht in Feminismus, Kegelklub, Veranstaltung

10 Jahre Gewaltschutzgesetz

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Dieser Blogeintrag erschien zuerst auf faserpiratin.blogspot.com.

Ich war im November auf einer Informationsveranstaltung im Bürgerbüro Düren. Thema der Veranstaltung war das 10jährige Jubiläum des Gewaltschutzgesetzes. Nach dem Grußwort des stellvertretenden Bürgermeisters (zu dem ich nochmal gesondert was geschrieben habe) gab es einen Vortrag von Luzia Kleene und eine Expertinnenrund mit drei engagierten Frauen aus dem Kreis.

Luzia Kleene ist Juristin und Sozialpädagogin aus Düsseldorf und seit 25 Jahren in der Anti-Gewalt-Arbeit tätig. Sie berichtete vom Werdegang des Gewaltschutzgesetzes.

Das Gewaltschutzgesetz wurde 2002 einstimmig im Bundestag beschlossen – wann hat man das schon mal. Dem gingen viel Vorarbeit und Modellprojekte voraus. Heute gilt das Gewaltschutzgesetz in allen deutschsprachigen Ländern Europas.

Das Gewaltmonopol des Staates hört heute nicht mehr an der Haustüre auf und häusliche Gewalt wird nicht mehr abfällig als „Familienstreitigkeit“ bezeichnet. Durch das Gewaltschutzgesetz steht der Schutz des Opfers im Mittelpunkt und es ist klar: Wer schlägt, der geht.

Immer noch wollen viele Opfer keine Anzeige erstatten – manchmal, weil Kinder im Haushalt leben oder die Opfer sich noch nicht klar sind, ob sie sich von Täter_innen trennen wollen. Immer noch liegt die Beweislast beim Opfer und da es meistens keine Zeug_innen für die Gewalt gibt, schrecken viele vor einer Anzeige zurück. Des Weiteren steht das Umgangsrecht des Elternteils über dem Gewaltschutzgesetz. Opfer, die mit dem gewalttätigen Partner Kinder haben, müssen also in vielen Fällen noch Kontakt mit dem Täter halten und sind so oft großer Gefahr ausgesetzt.

Bei Zuwiderhandlung gegen den von der Polizei ausgesprochenen Wohnungsverweis, droht den Täter_innen meistens keine Ordnungshaft und das geringe Ordnungsgeld hat kaum abschreckende Wirkung. Viele Verfahren werden immer noch eingestellt, was wiederum viele vor einer Anzeige zurückschrecken lässt – ein Kreislauf.

Frau Kleene sagte aber auch: „Vor 15 Jahren hätte ich einer Frau nicht guten Gewissens raten können, 110 zu wählen. Die Polizei konnte wenig tun, sondern brachte den Täter durch ihr Auftreten oft noch in Rage.“ Heute ist das glücklicherweise anders. Schulungen und landesweite Richtlinien tragen Früchte. Die Zahl der Anzeigen ist in NRW von 2002 bis 2011 von 14.300 auf ca. 25.000 gestiegen, die Polizei hat mehr Handlungsspielraum und kann sich besser um die Opfer kümmern.

Bekämpfung von häuslicher Gewalt ist heute ins Zentrum gesellschaftlicher Aufklärung gerückt und nicht mehr nur Thema der Frauenbewegung, wie noch in den 70er Jahren.

Durch das Gewaltschutzgesetz wurde viel erreicht – doch es ist auch noch viel zu tun, denn häusliche Gewalt ist immer noch die häufigste Gewaltform gegen Frauen.

Im Anschluss gab es eine Expertinnenrunde mit Sonja Walt und Maria Brenner, die beide in Frauenberatungsstellen des Kreises arbeiten, und der Polizeibeamtin Marion Laßka.

Frau Laßka ging noch einmal darauf ein, dass häusliche Gewalt vor dem Gewaltschutzgesetz als Familienstreitigkeit behandelt wurde und Frauen sich meistens um private Flucht-/Ausweichmöglichkeiten kümmern mussten. Heute hat die Polizei eben die Möglichkeit, Täter_innen für 10 Tage aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen. Zudem werden beide Parteien getrennt befragt. Die Polizei gibt – mit Einverständnis der Frau – die Grunddaten an eine Frauenberatungsstelle weiter und das Jugendamt kümmert sich um die im Haushalt lebenden Kinder.

Die Beratungsstellen melden sich innerhalb kürzester Zeit bei den Frauen, beraten telefonisch und persönlich. Hier ist es wichtig, dass schnell beraten wird, denn wenn es erstmal zu einer Versöhnung kam, sind die Opfer für Hilfe nicht mehr zugänglich und geraten evtl. in den nächsten Gewaltkreislauf.

Gängig ist, dass die Beratungsstellen mit den Opfern einen Fluchtplan erstellen, einen Ort für eine Art Notfallkoffer finden und dazu raten, mit einer vertrauten Person ein Codewort auszumachen, um in der nächsten Gewaltsituation unauffällig einen telefonischen Notruf absetzen zu können. Zudem wird die Gefährlichkeit der Situation eingestuft und über das Frauenhaus informiert.

Bei dem, was sich in Zukunft noch verändern muss, sind die Expertinnen sich einig: Es braucht bessere Finanzierung und mehr Personal in den Beratungsstellen. Zudem sollte die Frauenhausfinazierung bundesweit vereinheitlicht werden. Die Täterarbeit muss ausgeweitet werden und auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt muss sich verbessern.

Written by FP

3. Januar 2013 at 11:54

Veröffentlicht in Düren, Gewalt, Veranstaltung

Gründung

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Wir, @Mandelbroetchen und @Faserpiratin, trugen seit einigen Wochen Gedanken und Ideen zum Kegelklub mit uns herum. Wir wohnen im Westen NRWs in der Voreifel und bekommen nur am Rande mit, welche Treffen und Aktionen im Berliner Raum vom Kegelklub durchgeführt werden. Wir fühlen uns Gender-Themen zugehörig, aber wussten gar nicht genau, ob wir jetzt schon Teil des Kegelklubs sind, nur weil wir die Mailingliste lesen. Wir hatten das Bedürfnis aktiver zu werden, als wir es bisher gewesen sind.

Wir verstehen den Kegelklub nichts als feste Struktur, sondern als Marke, die alle in gewisser Weise mit Leben füllen können, die das gerne möchten. Wir würden uns gerne persönlich mit anderen treffen, Erfahrungen austauschen, über Sachthemen diskutieren und politisch innerhalb der Partei und der Gesellschaft etwas bewegen.

Wir würden uns wünschen, dass der Kegelklub bekannter wird. Unserer Erfahrung nach wissen viele außerhalb von Berlin nicht genau, wer der Kegelklub eigentlich ist und was die Leute dort machen. Insbesondere unter Neupiraten und Menschen ohne regelmäßigen Netzkontakt ist die Marke meist nicht verbreitet und muss erst erklärt werden. Gerne wird auch die Ansicht einer Person als “die Kegelklubmeinung” abgestempelt. Es würde uns gut gefallen, wenn sich mehr Leute an verschiedenen Orten Deutschlands aktiv unter der Marke Kegelklub zusammenfinden würden, um das Bild etwas bunter zu gestalten. Der Kegelklub spricht nicht für “die Frauen*” in der Piratenpartei, sondern für bestimmte Personen. Es wäre schön, wenn sichtbarer wäre, wie unterschiedlich diese Personen sind/sein können (ein Thema, das bereits öfter auf der Mailingliste diskutiert wurde).

Es traf sich, dass wir im August kurzfristig von @laprintemps’ Interviewtermin bei der EMMA in Köln erfuhren. So nutzten wir die Gelegenheit für ein Treffen in größerer Runde. Am Rande dieses Treffens erzählten wir von unserem Wunsch, auch fernab von Berlin Kegelklub-Treffen zu veranstalten. Da die Idee auf positive Ressonanz stieß, gründeten wir anschließend eine Art Zweigstelle in Düren, um regional aktiver sein zu können und den Menschen in NRW einen nahen Ansprechpartner zu bieten.

Am 15. September trafen sich dann @Feuertinte, @Faserpiratin und @Mandelbroetchen zum ersten Treffen des Dürener Kegelklubs. Wir machten uns Gedanken zu unserem Selbstverständnis und was wir uns im Einzelnen vom Projekt Kegelklub versprechen.
Feuertinte schlug vor, den Kegelklub nicht auf die Piratenpartei einzuschränken. Sie möchte den Kegelklub als eine Art Gesprächsrunde zum Thema Gender in Düren verstehen. Alle drei finden wir die Idee einer Art Gesprächsrunde/Stammtisch zu Genderthemen gut.
Faserpiratin und Mandelbroetchen würden zusätzlich gerne aktive Parteipolitik betreiben. Zum Beispiel kennen wir momentan in NRW noch keine aktive Gruppe, die sich um das Thema Genderpolitik kümmert und den Landtagsabgeordneten zuarbeitet.
Mandelboetchen möchte eine Art Ansprechstation des Kegelklubs in NRW anstreben, da die Marke Kegelklub sich erfahrungsgemäß positiv auf den Anteil der aktiven Frauen in der Partei auswirkt. Mandelbroetchen möchte mittelfristig, dass sich in Städten in NRW Menschen zusammenfinden und eigenständige Kegelklub-Treffen veranstalten. Wir würden das gerne anstoßen und planen derzeit ein erstes Treffen in Düsseldorf.

Des Weiteren sammelten wir erste Themenkomplexe, die man als Kegelklub als politische Themenfelder besetzen könnte. Hierunter fallen unter anderem

  • geschlechtsneutrale Vornamen
  • geschlechtsneutrales Spielzeug
  • Kursangebote zum Thema geschlechtsneutrale Erziehung für geburtswillige und werdende Eltern
  • geschlechtsneutrale Linguistik

Direkt umsetzen wollten wir die Idee, auf unserem Stammtisch in Düren auf diskriminierende Formulierungen zu achten und sie zum Gegenstand der Diskussion zu machen. Bisher sind uns zwar gelegentlich solche Formulierungen aufgefallen, aber oft haben wir da einfach nichts gesagt, weil der Rahmen dazu fehlte. Wir wollen nun Personen direkt ansprechen, wenn sie fragwürdige Formulierungen verwenden, ohne sie persönlich anzugreifen. Wir möchten dadurch ein Problembewusstsein schaffen. Diesen Vorschlag haben wir an unseren Stammtisch weitergetragen. Wir haben uns gefreut, dass man auch an Stammtischen Personen findet, die Interesse an den Zielen des Kegelklubs haben, selbst wenn sie sich persönlich dem Kegelklub nicht zugehörig fühlen.

@Faserpiratin & @Mandelbroetchen

Written by Kegelklub Düren

2. Januar 2013 at 16:04

Veröffentlicht in Düren, Kegelklub, Piraten